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Die humorvollen Seiten – Druckersprache mit Augenzwinkern

DRUCK & MEDIEN · HUMOR

Wenn in der Druckerei von einer Hochzeit, einer Witwe oder einer Leiche die Rede ist, lohnt sich ein zweiter Blick. Hinter diesen Namen stecken Fachbegriffe, die viel über das Handwerk erzählen – und gelegentlich zum Schmunzeln bringen.

Fotografierte Spielkarten waren der Anlass für diese kleine Sammlung. Die zehn Begriffe sind alphabetisch geordnet; die Erklärungen und humorvollen Ergänzungen sind neu formuliert. Viele der Ausdrücke stammen aus dem traditionellen Handsatz.

01 / DRUCKERSPRACHE

Fisch

Im Handsatz ist ein Fisch ein Buchstabe, der im Setzkasten im falschen Fach gelandet ist – bei einem anderen Buchstaben derselben Schrift.

Auch Buchstaben können sich verschwimmen. Der Setzer muss sie wieder an Land und ins richtige Fach bringen.

02 / DRUCKERSPRACHE

Fliegenkopf

Ein Begriff aus dem Buchdruck für einen versehentlich kopfüber gesetzten Buchstaben.

Da steht die Druckersprache Kopf. Der Fehlerteufel hatte offenbar seine Hand im Spiel.

03 / DRUCKERSPRACHE

Hochzeit

Im grafischen Gewerbe bezeichnet eine Hochzeit ein versehentlich doppelt gesetztes Wort.

Hier wird kein Paar getraut. Ein Wort hat sich einfach selbst geheiratet.

04 / DRUCKERSPRACHE

Jungfrau

Auf der fotografierten Karte bezeichnet Jungfrau eine fehlerfrei gesetzte Zeile, die ohne Korrekturzeichen auskommt.

Der Korrektor darf den Stift stecken lassen – ein kleiner Feiertag in der Druckerei.

05 / DRUCKERSPRACHE

Leiche

Eine Leiche ist im Satz ein ausgelassenes Wort oder ein vergessener Textteil.

Der Text hat einen Verlust zu beklagen. Zum Glück kann sorgfältiges Korrekturlesen ihn wieder zum Leben erwecken.

06 / DRUCKERSPRACHE

Setzschiff

Ein Setzschiff ist ein im Handsatz verwendetes Tablett. Es nimmt die gesetzten Zeilen aus dem Winkelhaken auf und dient zur Montage und zum Transport von Kolumnen.

Es transportiert Zeilen statt Passagiere und braucht dafür weder Wasser noch einen Kapitän.

07 / DRUCKERSPRACHE

Vorbreite

Die Vorbreite ist der Weißraum, den ein Buchstabe aufgrund seiner Form vor sich frei lässt.

Auch Buchstaben brauchen etwas persönlichen Freiraum. Bei der Vorbreite gilt allerdings: Weniger ist manchmal mehr.

08 / DRUCKERSPRACHE

Waisenkind

Ein Waisenkind ist die erste Zeile eines Absatzes, die allein am Ende einer Spalte stehen bleibt. Sie wird auch Schusterjunge genannt.

Die erste Zeile ist schon da, der Rest der Familie steht in der nächsten Spalte. Ein guter Umbruch führt sie wieder zusammen.

09 / DRUCKERSPRACHE

Witwe

Die Karte beschreibt als Witwe die letzte Zeile eines Kapitels, die allein auf einer neuen Seite steht. Eine solche vereinzelte Schlusszeile sollte beim Umbruch vermieden werden.

Eine ganze neue Seite und nur eine einsame Zeile: So viel Platz kann ganz schön traurig aussehen.

10 / DRUCKERSPRACHE

Zwischenschlag

Der Zwischenschlag ist der vertikale Weißraum zwischen zwei Spalten auf einer Seite.

Keine Gewalt und kein Schlagzeug: Dieser Schlag sorgt einfach für Abstand. Das tut dem Lesen gut und niemandem weh.

Die Erläuterungen orientieren sich an den fotografierten Spielkarten. Historische Fachausdrücke können je nach Quelle unterschiedlich verwendet werden.

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